Medikamentenfrei

Metformin ist gestrichen
Gestrichen!

Es ist geschehen! Ich manage meinen Diabetes Typ 2 ohne Medikamente. Sprich, vor fünf Wochen habe ich das Metformin abgesetzt und bin jetzt medikamentenfrei. Allerdings wird das zeitlich befristet sein, denn ich bin ja ein LADA Diabetiker im Anfangsstadium. Solange meine Bachspeicheldrüse allerdings noch die benötigte Menge an Restinsulin zur Verfügung stellt, werde ich diese Zeit jedoch genießen.

Meine Zuckerwerte haben sich nicht verändert. Überhaupt nicht. An dieser Stelle wie immer der Hinweis, dass ich kein Arzt bin und niemanden zu etwas bewegen will – außer zur Bewegung. Update: Mein aktueller HbA1c Wert liegt bei 5,6%.

Der lange Weg dorthin

Zielwerte

Was wollte ich erreichen, welche Zielwerte habe ich angestrebt?

Nun, anfangs wollte ich nur mit dem HbA1c im Bereich von 5,x% liegen, also einen Wert kleiner als 6%. Ich habe zu viele Studien gelesen, wonach Werte über 140mg/dl bzw. bereits über 120mg/dl über einen langen Zeitraum Schäden anrichten können. Auch gibt es klare Studien, dass die Gefahr von Herzerkrankungen mit der Höhe des HbA1c Wertes zunimmt. Also habe ich auf die Mitgliedschaft im sogenannten 5-er Club hingearbeitet. Dass dabei meine Medikamente auf der Strecke bleiben würden habe ich damals nicht geahnt.

Messen, messen, messen

Viele haben mich belächelt, viele haben mich nicht verstanden – ich messe bis zu 11 Mal pro Tag meinen Blutzucker.  Es hat sich gelohnt, denn ich kenne jetzt meinen Blutzuckerverlauf und auch, wie er auf verschiedene Nahrungsmittel, Sport, Stress und Alkohol reagiert. Nur wenn man diese Zusammenhänge sehr gut versteht kann man seinen Blutzucker sehr leicht kontrollieren. Wann habe ich gemessen?

  • Morgens nüchtern
  • Direkt vor den Mahlzeiten
  • 1 Stunde nach den Mahlzeiten
  • 2 Stunden nach den Mahlzeiten
  • Vor dem zu Bett gehen
  • 30 Minuten nach den Sporteinheiten

Als Messgerät verwende ich bis heute ein Accu-Chek Active, welches ziemlich genau misst. Die Daten werden dann von mir in eine Excel Datei eingetragen und grafisch aufbearbeitet.

Aktuell arbeite ich an einer Formel zur Berechnung des HbA1c Wertes. Dazu recherchiere ich im Netz, wie die Spitzen nach den Mahlzeiten zu bewerten sind. Lese ich zwei Quellen, dann stehen dort drei verschiedene Angaben. Was ein Mist.

Die Ernährung

Low Carb High Fat

Nein, ich bin kein Fan von LCHF Ernährung! Generell kann man sagen, dass ich keiner Ernährungsempfehlung, wie z.B. oben genannter folge. Ich habe für mich ein paar Grundsätze festgelegt und denen folge ich:

  • wenig Kohlehydrate
  • Kohlehydrate möglichst aus Gemüse
  • Gemüse nicht roh verzehren, wann immer möglich, warmes Gemüse
  • möglichst wenig tierisches Protein
  • Protein aus pflanzlichen Quellen
  • möglichst viele ungesättigte Fettsäuren verzehren (Oliven- und Leinsamenöl)
  • täglich eine kleine Portion Obst
  • möglichst viele Ballaststoffe
  • bevor ich irgend etwas zwecks Verzehr in den Mund nehme, frage ich mich, was mein Körper davon hat. Was mein Körper also aus dieser Nahrung positiv verwerten kann. Oh, da fällt vieles raus……..

Das klappt ganz gut! Was ich gänzlich vermeide ist Reis. Nun, in China begegnet der mit natürlich an allen Ecken und Enden. Da ich Reis aber sowieso nicht besonders mag, ist dies keine Herausforderung.

Ganz anders sieht es mit Nudeln aus. Was ein Mist. Ich könnte in scharfer Nudelsuppe baden. Dabei habe ich festgestellt, wenn ich versuche diese scharfen Nudeln komplett zu streichen, dann bekomme ich irgendwann einen Fressanfall und vertilge eine Riesenportion. Es ist besser, wenn ich mir eine kleine Portion gönne – der Fressanfall bleibt dann aus.

Low Carb, aber lecker

Genauso verhält es sich mit Säften. Wozu sollte ich einen Saft trinken, in welchem in 1l der Saft von dutzenden Orangen steckt? Es bietet sich dagegen an, eine richtige Orange zu essen, mitsamt ihren Ballaststoffen.

Meine Erfahrung lässt sich so zusammenfassen: Kontrolle anstatt Verzicht!

Verzicht oder Kontrolle

Das Phänomen der Fressanfälle besteht bei mir generell. Gelernt habe ich folgendes: gönn’ Dir eine kleine Sünde, bevor Dein Hirn nach Zucker schreit!

Denn im letzt genannten Fall artet das aus. Wenn ich mir sicher bin, die Zeit für den Sport zu haben, dann geht durchaus auch mal ein Topf Nudeln!

Fleisch, Gemüse, Nudeln….und scharf

Was bedeutet das jetzt genau? Zum Beispiel gönne ich mir etwas 90-99% Schokolade, wenn ich sehr niedrige Blutzuckerwerte messe. Dann wirkt sich das kaum aus und mein Hirn ist zufrieden gestellt.

Aber es gibt auch Verzicht! Und der beginnt ab 19 Uhr. Nach 19 Uhr esse ich nix mehr. Das klappt sehr gut und ich werde mit niedrigen Nüchternwerte belohnt.

Wo wir gerade von Verzicht reden, ich verzichte auf Zuckeraustauschstoffe und Süßstoffe! Diese scheinen mich sehr zu belasten, weil mein Körper dann auf Zucker wartet. Das geht so weit, wenn ich einen Tee trinke, welcher nach Honig riecht und schmeckt – ja, sowas gibt es in China – dann erwartet mein Hirn auch Honig (Zucker). Kommt der nicht, dann hört es nicht auf mich zu erinnern: ‘Ich will Zucker!’ Ich habe dann Hunger. Weiterhin sind mir die meisten Lebensmittel, welche solche Stoffe enthalten zu ungesund.

Ich vermeide industriell verarbeitete Lebensmittel so gut es geht. Eigentlich ist es ganz einfach auf folgenden Nenner zu bringen – bevor ich etwas zu mir nehme frage ich mich ‘Was ist darin enthalten, was meinem Körper gut tut?’. Da fallen dann viele Produkte automatisch weg.

Diabetesmedikament

Bewegt Euch!

Mein Körper hatte irgendwie einfach keine rechte Lust, das noch vorhandene Restinsulin effektiv zu verwenden. Zu dieser Zeit war ich ein Sofaheld. Kein Sport, kaum Bewegung. Die Insulinresistenz war entsprechend hoch.

Irgendwann habe ich dann angefangen Fahrrad zu fahren. Auf einem sogenannten ‘Spinning Bike‘. Dieses steht im Arbeitszimmer, ich traue mich in Shanghai nicht mit dem Rad auf die Straße

Anfangs musste ich 45-60 Minuten fahren, um meine BZ-Werte deutlich zu senken. Auch das hat sich unglaublich verändert! Plötzlich genügen auch 15 Minuten für eine deutliche Senkung. Allerdings gestehe ich, dass es mir Spaß macht abends mal 1 Stunde auf dem Rad ‘abzurocken’. Ich höre Musik dabei und verarbeite den beruflichen Tag nochmals. Bei der Wirkung von Sport auf den BZ kann ich sagen, dass der Sport nachwirkt. Ich mache 1 Tag Pause pro Woche – festgestellt habe ich, dass nach 5 Tagen ohne Sport die Werte wieder ansteigen.

Alt, einfach, zuverlässig

Sport scheint eine Art Diabetesmedikament zu sein, welches viele total unterschätzen. Bei mir ersetzt der Sport bisher erfolgreich das Metformin. Erzählt man dies anderen T2 Diabetikern, dann kommt zu 50% die Antwort ‘Ich kann aus gesundheitlichen Gründen keinen Sport treiben!’ Ja, man findet immer 1000 Gründe etwas nicht zu tun – man muss den EINEN Grund finden, etwas tun zu wollen.

Zum Schluss

Was ich noch zu sagen hätte

Da ich in vielen Foren und Facebook Gruppen unterwegs bin, ist mir eines aufgefallen. Viele Diabetiker ignorieren den Diabetes so gut es geht unter dem Motto ‘Ich lasse mich nicht vom Diabetes dominieren!’ Leute, das ist doch Blödsinn. Ihr leidet an Diabetes, also arrangiert euch mit ihm. IHR seit verantwortlich für euren Körper, nicht der Hausarzt und nicht der Diabetologe. Habt ihr erst mal Sehschwierigkeiten, schwarze Beine oder Herzprobleme – dann wisst ihr, wie erfolgreich euere Ignoranz war. Weiterhin behaupte ich, dass ich jetzt so lebe, wie es auch Noch-Nicht-Diabetiker tun sollten. Gesunde Ernährung und Sport. Danke Diabetes! Du hast mich dorthin geführt.


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