Metformin wird vielen DM2 bzw. LADA-Diabetikern, welche noch kein Insulin benötigen, verschrieben. Metformin wird im Internet sehr kontrovers diskutiert und aus diesem Grunde möchte ich hier zusammengefasst meine Erfahrungen wiedergeben.

Vorwort

Anfang 2016 erhielt ich die Diagnose Diabetes. In China war meine Beschreibung der veränderten Sehstärke und vor allem des übermäßigen Durstes, verbunden mit 40-minütigem Wasserlassen ein eindeutiger Hinweis auf den Diabetes. Natürlich war da dann auch noch der HbA1c-Wert von über 15% und der aktuelle Blutzuckerwert von 14mmol/l. Meine Ärztin hat daraufhin umgehend Metformin 850mg 1-0-1 verordnet.

Ebenso hat meine Ärztin mit mir geklärt, wann ich das nächste Mal nach Deutschland fliege und, da es zeitnah war, mich gedrängt bei einem Diabetologen vorstellig zu werden.

Dort wurden dann weitere Bluttests gemacht und durch Bestimmung der Antikörper der Diabetestyp LADA festgestellt. An der Medikamentengabe hat sich nichts verändert.

Bitte beachte, Diabetes kann verschiedene Ursachen haben! Allen gemeinsam ist das Symptom einen zu hohen Blutzucker messen zu können. Was hier beschrieben ist, funktioniert für mich – es muss für Dich nicht zwangsweise genau so funktionieren. Du musst es ausmessen. Dazu im Schlusswort mehr.

Einnahmebeginn

Da stand ich dann also mit 100 Metformin Tabletten aus der Apotheke in der Hand und hatte keine Ahnung.

Der Beipackzettel war zweiseitig mit kleinen, chinesischen Buchstaben bedruckt. Ich kann zwar ca. 1000 chinesische Wörter sicher lesen aber, was da auf so einem Beipackzettel steht – das scheint eine geringe Schnittmenge mit meinen 1000 Wörtern zu haben. Ich verstand überhaupt nichts.

Metformin, Beipackzettel auf Chinesisch
Beipackzettel

Meine Meinung dazu war damals, entweder ich nehme es und bekomme meinen Blutzucker in den Griff oder ich habe ein Problem. Weiterhin dachte ich, dass es bereits von zig Diabetikern genommen wird, also nehme ich es auch.

Von Nebenwirkungen und Einschleichen wusste ich nichts, ich habe sofort angefangen morgens und abends je 1 Tablette mit dem letzten Bissen einer Mahlzeit zu mir zu nehmen. Die einzige bemerkbare Nebenwirkung, welche ich je hatte, war die Urinfärbung. Manchmal sah es aus, als würde ich in der Farbe eines Textmarkers pinkeln. Teilweise  habe ich das selbst in Deutschland so gehalten: ich habe die Nebenwirkungen auf den Beipackzetteln nicht gelesen. Vermutlich werden mehr als 50% der Nebenwirkungen vom Gehirn getriggert – selbst dann, wenn man das weiß! Das war also meine erste Begegnung mit Metformin. Völlig unspektakulär.

Wirkung des Metformin

Das Metformin hat sehr schnell Wirkung gezeigt. Da ich meine Ernährung angepasst hatte ging mein HbA1c-Wert langsam nach unten. Zu langsam für meinen Geschmack. Wenigstens normalisierte sich meine Sehkraft und die andauernde Pinkelei ließ nach. Ich hatte damals noch keine Ahnung davon, was Diabetes genau ist und wie die Wirkungsweise von Metformin ist. Dementsprechend hing mein HbA1c-Wert dann zwischen 6,5-6,7% fest und ich begann zu überlegen, was ich verbessern konnte. Dazu musste ich verstehen, wie Metformin genau wirkt.

Hausarzt und Diabetologe hingegen sind der Meinung, mit einem HbA1c von 6,3% wäre ich perfekt ‘eingestellt’.

Zielbereiche für die Zuckerwerte

Auch nach Angaben, welche ich im Internet fand, lag ich einwandfrei im Zielbereich, welche die Deutsche Diabetes Gesellschaft empfiehlt.

Hier sind die Empfehlungen zu finden: https://www.diabetes-ratgeber.net/Blutzucker/Wie-gut-sollte-der-Blutzucker-eingestellt-sein-54134_4.html

Für mich persönlich sind die genannten Zielbereiche jedoch viel zu hoch!

Ich halte es eher mit den hier genannten Grenzwerten, leider gibt es diese Informationen nur in englischer Sprache.

Meinungen, welche ich teile: https://www.bloodsugar101.com/

Mein Zielbereich liegt eher bei einem HbA1c von 5,5%.  Ich habe auch weitere Werte definiert. Der Nüchternblutzucker sollte unter 5,5mmol/l liegen. Die Werte nach dem Essen sollten nach 1 Stunde die 7,7mmol/l und nach 2 Stunden die 6,5mmol/l nicht überschreiten. Es gibt einen weiteren Wert, welchen ich für mich definiert habe. Ich will mit einem Wert um die 5,0mmol/l zu Bett gehen!

Nur, wie kann man solche Werte erreichen? Aufhören zu essen oder sofort beginnen Insulin zu spritzen? Beide Möglichkeiten sind keine Option für mich. Ich wollte verstehen, wie Metformin wirkt, um es hierbei aktiv zu unterstützen. Und im Endeffekt ist genau das passiert. Das Metformin hat mich ‘aktiv’ gemacht.

Wirkungsweise des Metformin

Wie wirkt Metformin denn nun genau? Wie verringert es den Blutzucker? Metformin ist kein Insulin und es wirkt – meines Wissens nach – auf drei verschiedenen Ebenen.

  • Hemmt die Glukoseausschüttung durch die Leber
  • Vermindert/verzögert die Zuckeraufnahme über den Dünndarm ins Blut
  • Verbessert die Insulinsensitivität / Erhöht die Glukoseaufnahme durch den Muskel

Metformin bremst die Leber

Hier muss man sich fragen, WANN schüttet die Leber denn Glukose aus?

Im Normalfall immer dann, wenn der Körper Energie braucht, von außen in Form von Nahrung aber nichts kommt. Also, wenn man Hunger hat aber nichts isst.

Nachts. Die Leber schüttet nachts Glukose aus. Viele Diabetiker kennen das, Du gehst mit 6,0mmol/l ins Bett und wachst mit 7,5mmol/l auf. Das war dann die Leber.

Beim Sport natürlich auch. Von vielen Insulinern höre ich, dass der Blutzucker beim Sport stark ansteigt, was z.B. durch Adrenalin verursacht werden kann.

Metformin bremst den Dünndarm

Metformin vermindert bzw. verzögert nach dem Essen die Zuckeraufnahme über den Dünndarm ins Blut. Dies kann hohe Blutzuckerspitzen nach den Mahlzeiten verhindern.

Metformin beschleunigt den Muskel

Metformin erhöht die Aufnahme von Glukose durch den Muskel. Dies natürlich nur dann, wenn der Muskel nach Glukose verlangt. Also zum Beispiel beim Sport.

Zusammengefasst

Jetzt muss man noch berücksichtigen, dass Metformin eine Halbwertszeit von ca. 6 Stunden hat. Sprich, es ist ratsam es alle 12 Stunden zu nehmen, wenn man vom 1-0-1 Schema ausgeht.

Fassen wir mal zusammen: Um niedrige Nüchternwerte am Morgen zu erhalten wäre es sinnvoll, das Metformin so spät wie möglich, also direkt vor dem Schlafengehen zu nehmen. Dies ist aktuell, was viele Ärzte empfehlen.

Aber, dann verzichten wir darauf, dass uns das Metformin hilft, wenig bzw. verzögert die Glukose des Abendessens über den Dünndarm aufzunehmen!

Treiben wir abends Sport, dann hilft uns das Metformin die Glukose in die Muskeln zu schleusen, gleichzeitig bremst es die Glukoseausschüttung der Leber.

Zusammengefasst kann man also sagen, dass wenn ich das Metformin mit dem letzten Bissen des Abendessens einnehme, dann nutze ich alle drei Wirkmechanismen aus, wenn ich danach Sport treibe.

Der Nachteil ist der, dass die Leber nachts mehr Glukose ausschüttet, als wenn man das Metformin vor dem zu Bett gehen nimmt.

Aber was bedeutet das in Zahlen ausgedrückt?

Nackte Tatsachen

Meine Daten hierzu sind folgende. Nehme ich das Metformin direkt vor dem zu Bett gehen, esse aber gegen 18:30 Uhr mein Abendessen, dann habe ich nach 2 Stunden einen Blutzuckerwert um die 8-9mmol/l. Nach dem Sport dann noch 7,5mmol/l und mit einem Wert zwischen 7 und 7,5mmol/l gehe ich dann zu Bett. Morgens messe ich nüchtern zwischen 6,4 und 6,7mmol/l. Der Blutzuckerwert ist tatsächlich gesunken.

Nehme ich das Metformin direkt nach dem Abendessen, beträgt die Spitze um die 7-7,5mmol/l. Dann, nach dem Sport messe ich beachtliche 4,8mmol/l! Morgens stehe ich dann mit 5,0-5,2mmol/l auf. Der Wert ist zwar leicht gestiegen, aber wenn man die Beträge anschaut, dann fahre ich auf die zweite Art wesentlich besser.

Schlusswort

Ich möchte es wiederholen. Das oben genannte gilt für mich. Was ich damit sagen möchte ist ganz einfach. ‘Leute, probiert, messt, ändert und messt wieder!’

Diabetes hat bei uns allen nur eines gemeinsam – erhöhte Blutzuckerwerte. Das sind die Symptome. Die Ursachen dagegen können vielfältig sein.

  • die Zellen, welche Insulin produzieren sterben ab
  • die Zellen, welche Insulin produzieren, reagieren nicht mehr auf die Anforderung Insulin abzugeben
  • Insulinrezeptoren in den Zellen arbeiten nicht
  • Probleme mit den Nebennieren
  • Probleme mit Hormonen
  • …………….

Diabetes, also das Symptom erhöhter Blutzucker, kann 1 oder auch mehrere Gründe haben. Das macht es so kompliziert. Da ich ein sehr praktisch veranlagter Mensch bin, bin ich nach zwei Jahren ‘Versuch und Irrtum’ bei einem HbA1c von 5,7% angekommen. In vier Wochen werden es wohl 5,6 oder 5,5% sein. Dann habe ich mein Ziel erreicht.

Ich muss mich aber fragen, für wie lange werde ich dieses Ziel halten können? Da ich ein LADA-Typ bin, werde ich vermutlich mit der Insulinproduktion aufhören und zukaufen. Diesen Zeitpunkt gilt es nicht zu verpassen. In diesem Sinne: Frohes in die Finger pieksen.

Bisher jedenfalls sind meine eigenen Erfahrungen mit Metformin sehr gut. Es existieren auch die wildesten positiven Gerüchte über dieses Medikament. Ungeprüft und unkommentiert:

Lauber’s Kolumne

Die positive Änderung der Darmflora

Lässt Metformin neue Hirnzellen wachsen?

Hier sind meine Blogeinträge zum Thema Diabetes zu finden:

Diabetesblog

1 Kommentar

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