Time In Range

Time In Range
Time In Range

Ein relativ neuer Begriff mach die Runde in der Diabetikerwelt und er nennt sich Time In Range – abgekürzt TIR. Dieser Begriff wird nun auch verstärkt in der Fachwelt diskutiert, was vermutlich auch darauf zurück zu führen ist, dass vermehrt CGM und FGM Systeme eingesetzt werden. CGM Systeme sind Geräte, welche den Blutzucker (meist messen die den Zucker der Gewebsflüssigkeit) ständig messen. Im Gegensatz dazu messen die FGM Systeme den Blutzucker zwar auch sehr häufig, die Information muss aber gezielt abgerufen werden, wie beim Libre Freestyle zum Beispiel. FGM heisst Flash Glucose Monitoring. Time In Range gibt also an, wie lange man sich in seinem (selbst gesetzten?) Zielbereich befindet. Übersetzen kann man TIR mit ‘Zeit im Zielbereich’.

Time in Range und HbA1c

Nun, in Diabetikerforen und Diabetes Facebook-Gruppen ist es ja ein beliebtes Spiel, sich seine HbA1c Werte gegenseitig vorzusingen. Es ist ganz lustig anzuschauen! Ist dieser Wert sehr hoch, dann erheben alle geschlossen ihre Zeigefinger und mahnen: ‘Das ist sehr ungesund! Du solltest etwas ändern!’

Das wirklich Unglaubliche ist aber, dass wenn jemand einen sehr niedrigen Wert kund tut, dann läuft genau dasselbe ab! ‘Sehr ungesund! Du solltest etwas ändern!’. Ehrlich, ich kann darüber schmunzeln.

Was hat denn der HbA1c für ‘Nachteile’, dass wir wieder einen neuen – zudem auch noch Englischen – Begriff brauchen? Nun, ich möchte das an einem völlig an den Haaren herbeigezogenem Beispiel zeigen. Ich hoffe damit verdeutlichen zu können, was der Nachteil des HbA1c ist.

HbA1c – ein Durchschnitt

Nehmen wir nur mal an, ein Diabetiker hätte nur zwei Blutzuckerwerte. Gegessen 250mg/dl und nüchtern 50mg/dl. Das würde bei gleich langer Zeitverteilung einen HbA1c von ca. 7,0% ergeben. Wohlgemerkt, bei 12 Stunden täglich einem BZ von 250mg/dl und 12 Stunden einen Unterzucker von 50mg/dl. Da wird sehr schön deutlich, dass der HbA1c alleine nicht aussagekräftig sein kann. Zumindest im Bereich um die 7% nicht! Ich denke ein bisschen anders, wenn jemand einen HbA1c von 5,5% hat. Das entspricht einem Durchschnitt von 100mg/dl. Die Time in Range wird hier deutlich höher sein, als bei einem HbA1c von 7%.

Time in Range ermitteln

Bei Verwendung eines CGM oder FGM kann der TIR – mein Gott, was für eine Kürzelflut! Also nochmals: Bei Verwendung eines ständig messenden Systems kann die Zeit, in der man sich im Zielbereich bewegt, leicht ermittelt werden. Wie sieht das aber aus, wenn man nur blutig am Finger misst? Und welchen Zielbereich wählt man eigentlich aus?

Die Range – der Zielbereich

Hier beginnt sie bereits wieder, die endlose Diskussion welcher Bereich ist denn eigentlich noch nicht schädlich? Bei Diabetikern geht es leider viel zu selten darum, welcher Bereich denn gesund ist. Nein, leider wird meistens geschaut, was denn noch nicht so sehr schädlich ist. Ich persönlich finde das falsch. Die Fachwelt hat hier einen Zielbereich von 70-180mg/dl vorgeschlagen, welcher aber individuell mit dem Diabetologen besprochen werden sollte. Mit den 70mg/dl bin ich einig. Aber die 180mg/dl sind schon sehr hoch. Hier habe ich für mich 150mg/dl festgelegt. Das klappt ganz gut, da ich in der Regel 1 Stunde nach dem Essen maximal 140mg/dl lese und 2 Stunden nach dem Essen bereits wieder unter 120mg/dl liege.

Das blutige Messen und die Time In Range

Es ist nicht billig, es schmerzt und dennoch erfasst man nicht den ganzen Tag. So kann man das blutige Messen, also das Fingerpieksen, beschreiben. Will man diesen Zielbereich einigermaßen kontrollieren, dann sollte man morgens nüchtern, direkt vor jeder Mahlzeit, eine und zwei Stunden danach und vor dem zu Bett gehen messen. Sprich: elf Mal!

Selbst dann fehlt die Nacht – aber man bekommt schon eine ziemlich genaue Vorstellung von seinem BZ-Verlauf. Ich selbst habe diese Messerei über Monate betrieben und jetzt eine genaue Vorstellung von meinem Körper. An manchen Tagen messe ich jetzt nur noch 2 Mal.

Der unschlagbare Vorteil der Time In Range Methode

Es gibt einen unschlagbaren Vorteil, wenn man diese Time In Range Methode anwendet. Die hohen BZ-Spitzen werden seltener, die Geschwindigkeit, mit der sich der BZ-Wert nach unten ändert wird entsprechend langsamer. Dies lässt diesen subjektiven Unterzucker, welche manche schon bei Werten von um die 100mg/dl verspüren, komplett verschwinden. Ich fühle mich bei Werten um die 70mg/l noch sehr gut und tiefer kann ich nicht mehr kommen. Selbst bei intensiver Nutzung des Fahrrades springt meine Leber bei 70mg/dl zuverlässig an und bringt mich innerhalb kürzester Zeit wieder auf ca. 85mg/dl indem sie Zucker ausschüttet.

Bei mir hat die Time In Range Methode, welche natürlich mit der entsprechenden Ernährung und Bewegung einhergeht, einiges zum Besseren verändert.

Ein Link zum Thema.



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